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Gottlieb Guntern

Im Zeichen des Schmetterlings
Erscheinungsjahr: 1992

Ich las Guntern 1993. Er war für mich sehr beeindruckend.
Er geht in diesem Buch von 3 Zuordnungen aus:

Dino-Typ Wolken-Typ Schmetterlingstyp
aktionszentriert passiv rezeptiv
leistungsorientiert spassorientiert sinnorientiert
verbissen verträumt strukturiert
rational intuitiv bikameral
dualistisch monistisch pluralistisch
reduktionistisch vage-global komplex
rigide flexibel resilient
schlau naiv weise
machtzentriert lustzentriert sachorientiert
spirituell entwurzelt partiell verwurzelt spirituell verwurzelt
Teleobjektiv Weitwinkelobjektiv Zoomobjektiv
Sprache Bild Metapher
isolierte Punkte aufgelöst vernetzt
Begierde Liebe-Verliebtheit Liebe
Furcht Zutrauen Urvertrauen
Triumph Begeisterung Freude
usw.

Im Entspannungsmodus gerät der Mensch in einen Zustand hinein, in dem er die Pforten der Wahrnehmung weit öffnet. Seine Sinne nehmen alle Signale auf, die aus Innen- und Aussenwelt kommen. Er entspannt sich wie eine Katze, die Siesta hält. Er erholt sich. Sein Hirn gerät in einen Zustand, der den inspirierten Einfall und die intuitive Erleuchtung begünstigen. Eine weise Leadership im Krisenmanagement ist nur möglich, wo das "feu sacré" der Inspiration Begeisterung für das Ziel erweckt und wo bildhafte Vorstellungskraft und Intuition das analytische Denken und das rationale Begründen ergänzen und vervollständigen.
Unsere gegenwärtige Existenzkrise ist nicht zuletzt dadurch bedingt, dass eine masslose Leistungs- und Konsumgesellschaft immer weniger Freiräume und Ruhe, Erholung und Entspannung bietet. Unter diesen Systembedingungen wird der Mensch zum gejagten Jäger, der dauernd kämpft und flüchtet und dann, wenn er total erschöpft ist, resigniert und in der Hilflosigkeit versinkt.

All die Krisen, die die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen und die Existenz allen Lebens auf unserem Planeten bedrohen, sind letztlich das Resultat einer fundamentalen spirituellen Krise des Menschen. Der Mensch hat eine völlig falsche Ansicht über seinen Platz in der Schöpfung, über seine lebenswichtigen Ziele und Strategien, über seine Rechte und Pflichten, über seine Autonomie und über seine vielseitigen, reziproken Vernetzungen und Abhängigkeiten. Er nimmt sich seine Rechte heraus. Von Pflichten hält er wenig.

… Es ist sehr wichtig, welche Lebensphilosophie und welche Hauptmetaphern eine Kultur besitzt. Wenn der Mensch sich als Gott sieht, dann wird er göttlich. Wenn er sich als Teufel sieht, wird er zum Teufel. Wenn er sich als die Krone der Schöpfung begreift, die sich alle anderen Lebewesen untertan machen darf, dann wird er sich wie ein Rüpel verhalten. Wenn er sich als Maschine sieht, dann wird er eine Maschine sein. Und wenn er die Welt als gigantische Maschine begreift, wird er eben ein mechanisches Rädchenleben führen.

… Der Schmetterlingstyp denkt relativistisch. Da er die Welt von vielen Perspektiven her begreift, ist für ihn jede Wahrheit relativ. Sie gilt für einen bestimmten Gesichtspunkt. Vom Gesichtspunkt der Weisheit aus gesehen gibt es zwar gewisse Wahrheiten, die allgemeingültig sind. Aber im speziellen bedürfen Wahrheiten der relativierenden Einschränkung.

… Der Schmetterlingstyp denkt weise. Er kann, scheinbar paradox, interessenlose Schlauheit mit weltenzentrierter Naivität verbinden. Er weiss, dass das Gute und das Böse, das Schöne und das Hässliche, das Wahre und das Verlogene sich in unendlichen Kombinationen verbinden und dass daher die Realität tausend verschiedene Gesichter hat.
Da der Schmetterlingstyp sich eher mit den Dingen und Ereignissen identifiziert, statt sie erreichen und dominieren zu wollen, geht es ihm wie dem Bogenschützen des Zen-Buddhismus: Er trifft das Zentrum der Realität, ohne es treffen zu wollen. Doch ist die Bogenschützenkunst schwierig zu erlernen. Der Weise erscheint seinen schlauen Zeitgenossen nicht selten als weltfremder Dummkopf oder gar als Spinner. Man macht es ihm nicht leicht, weise zu werden, weise zu sein und weise zu bleiben.

... Der Schmetterlingstyp denkt in einer Art und Weise, die spirituell verwurzelt ist. Er weiss, wer er ist. Er weiss, was die Welt ist, und er kennt seinen Platz darin und auch seine Rechte und Pflichten in den Beziehungen zwischen ihm und der Welt. Er ist spirituell verwurzelt, weil er alles Seiende respektiert und liebt, mit dem er sich seit Urzeiten verbunden und verwandt fühlt. Er ist verwurzelt, weil er sich selber weder als Aktor, noch Reaktor, noch Interaktor, sondern als Transaktor begreift. Als Transaktor ist er ein integraler Bestandteil des "sausenden Webstuhls der Zeit"; er hilft "der Gottheit schimmerndes Kleid" zu weben und wird dabei als Faden selbst in dieses Kleid hineingewoben.

… Der Vorteil echter, altruistischer Grosszügigkeit ist, dass geteilte Freude doppelte Freude ist und dass Grosszügigkeit im Transaktionsfeld, in dem sie stattfindet, eine Stimmung schafft, die von allen als wohltuend, befreiend und beglückend erlebt wird. Authentisch grosszügiges Verhalten ist stets mit Weisheit gepaart und schliesst damit Vergeudung und Verschwendung der Ressourcen aus.

… Dino-Typ: Er ist abhängig von seiner Vererbung, von seinen Kindheitserfahrungen, von seiner jetzigen Umwelt und von den zu erwartenden Entwicklungen. Und weil er das ist, kann er nicht frei wählen.

... Der echt ethisch denkende und handelnde Mensch muss unter Umständen gegen etablierte Prinzipien und Traditionen verstossen. Im Zwiespalt zwischen Legimität und Legalität wird er sich manchmal für Legimitiät entscheiden. Ihm ist die Scheinheiligkeit der Philister ein Greuel, und deshalb wettert er manchmal im heiligen Zorn gegen die etablierte Ordnung - ganz so wie der junge Jesus, der im Tempel von Jerusalem zum Strick griff, um seinen Argumenten Respekt zu verschaffen. Deshalb ist der ethisch operierende Schmetterlingstyp allen Scheinheiligen und Verlogenen ein Dorn im Auge, der irritiert und schmerzt. Sie verfahren mit ihm oft so, wie die Notabeln von Athen mit Sokrates, den sie im Verdacht hatten, der Jugend autonomes Denken beizubringen: Sie eliminieren ihn - wenn es sein muss, physisch.

…was man ist und was man tut, hat einen unmittelbaren Rückkopplungseffekt auf das, was man ist und was man tut.

... Wir müssen begreifen, dass alles Sein heilig ist und respektiert werden muss, weil alle existierenden Dinge und Lebewesen aus dem gleichen Urgrund kommen und weil sie sich gegenseitig dauernd beeinflussen. In diesem Netzwerk der gegenseitigen Beeinflussung kann es dem einzelnen nur gut gehen, wenn es dem Ganzen gut geht.


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